LEINWAND

graffiti als ästhetik zwischen kunst und schadensfall; zeichensprache der geschwindigkeit mobiler stadtindianer – derartige charakterisierungen von wandbildern aus der spraydose sind längst geläufig. mit seinen arbeiten auf leinwand beschreitet hendrik beikirch nun weniger den weg vom underground in die seriosität der galerien, sondern zeigt, dass graffiti wesentlicher eine kunst des raums und seiner inszenierung ist. insofern überträgt er nicht die auf wänden und mauern angebrachte zeichensprache auf die leinwand, sondern jene topografischen szenarien, in denen diese stattfindet. treppen, brücken und passagen sind die gegenstände seiner gesprayten leinwände, über denen sich oft ein weiter himmel dehnt als anarchisches zeichen des offenen raums, für den die graffitikunst eigentlich gedacht ist. anonymität und heimlichkeit der praxis wandelt sich in diesen bildvisionen zu nahezu fotografischer perfektion, deren bewußt reduzierte farbpalette, verwischungen und verflüssigungen die melancholie eines untergegangenen zeitalters ausstrahlen, wie sie sich in der anschauung von bildern aus der frühzeit der fotografie offenbart. graffiti ist hier zu einer kunst flüchtiger schönheit geronnen.    

bernd künzig

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